Wenn die Realität das Bewusstsein einholt

Zur Zeit echauffieren sich einige Twitter-Nutzer extraordinär darüber wie es denn sein kann, dass ihre öffentlichen an ihre Follower oder gar Hashtag-lesenden virtuellen Bekannten abgeschickten Nachrichten, in meiner Suchmaschine auftauchen können.

Das ganze ist traurig und erheiternd zugleich. Die einen fragen ständig was denn das (die Suchmaschine) für eine „Liste“ sei. Ich frage mich dann, ob die auch bei Google-Resultaten dieselbe Fragen stellen und ob sie jemals Seiten wie webarchive.org kennengelernt haben. Nicht zu vergessen all die vielen Mailinglisten-Archive.

Das traurige daran ist, dass derartige „Fragen“ von Leuten kommen, die es eigentlich besser wissen sollten. Gut, eine Mitgliedschaft bei der Piratenpartei, oder dem CCC oder einer anderen Netz-affinen Organisation ist noch kein Garant dafür auch einen Crawler und eine Suchmaske als solches zu verstehen. Daher kommen belustigende Momente, wenn man nämlich realisiert, dass diese Leute sich ganz offenbar niemals bewusst waren, dass JEDER TWEET der von einem nicht „geschützten“ Account kommt oder keine DM ist, ein öffentlicher Tweet ist.

Alle Tweets werden (und ich rede jetzt NICHT von mir oder meiner Suchmaschine) kommerziell erfasst und für Entgeld direkt und indirekt vermarktet und durchsuchbar gemacht. Nicht mitgerechnet bekannte Suchmaschinen, wie eben auch zB Google. Aber auch Twitter selbst lässt suchen und zeigt Tweets an.

Oder bleiben wir beim analogen Beispiel einer Mailingliste. Jeder der dort postet muss damit rechnen, dass die Mail von anderen aufbewahrt wird. Noch „schlimmer“. Oftmals betreiben die Mailinglisten Betreiber Mailinglisten-Archive um die gesammelten Mails durchsuchbar zu machen. Nicht ungewöhnlich bei vielen Software-Projekten.

Man sieht also: Crawler sind etwas komplett normales. Jeder der öffentlich Nachrichten im Netz verbreitet, muss sich im Klaren sein, dass diese Nachrichten erfasst, indexiert, kategorisiert und verwertet werden. Daher sollte man nur Dinge von sich publizieren, für die man auch morgen noch in den Spiegel schauen kann.

Aber warum nun meine Suchmaschine, wenn es doch derer soviel bereits gibt?

Motivation

Um meine Motivation zu verstehen, muss man entweder die Machenschaften bestimmter „Piratenkreise“ in Berlin sehr gut kennen oder aber hier weiterlesen. 😉

Ich und andere werden seit ca 4 1/2 Jahren massiv verleumdet. Rufmord, Diskriminierung und andere Dinge, welche auch oft AFK (Away from Keyboard) stattfinden. Waren es damals noch primär Mailinglisten sind es seit ein paar Jahren soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook.

Insbesondere Twitter erfreut sich dabei einer besonders hohen Sättigung von Mobbern. Denn aufgrund einer gewissen ignoranten Firmenpolitik von Twitter können im Normalfall Mobber völlig ungestört massiv Menschen Gewalt antun.

Jeder Mensch hat eine persönliche Grenze. Meine endete als ein in Berlin bekannter extrem radikaler Mensch – genannt Harry Liebs – unverblümt per Twitter damit drohte die Treffen der Konrad Zuse Crew auszuräuchern. Da nicht alle Menschen so ein dickes Fell wie ich haben, war es den anwesenden Familienmitgliedern der Crew-Besucher nicht gerade angenehm um nicht sogar zu sagen es stand ihnen der Schrecken im Gesicht. In so einer Situation erwartet man vom zuständigen Gremium der Gliederung Berlin Beistand, vielleicht ermahnende Worte an den Absender und Worte des Bedauerns an die geschockten Adressaten. Leider meinte ein Mitglied des damaligen Landesvorstandes Berlins sich per Twitter darüber auch noch lustig zu machen. Diese Person, oftmals mit einem Zylinder anzutreffen, hatte gerade zu Freude daran und verhöhnte noch die Opfer dieser menschenverachtenden Bedrohung. Hier war MEIN persönlicher Punkt erreicht, an dem ich jeden Respekt vor diesem Vorstandsmitglied verlor und in einem Gespräch mit anderen Menschen, als ich darauf angesprochen wurde, schrieb, dass diese Person in meinen Augen nicht einmal mehr das Schwarze unter meinen Nägeln wert wäre. Denn für mich hört bei Gewalt und insbesondere gegen Frauen und Kindern der Spass endgültig auf.

Besagtes Vorstandsmitglied tat dann was es immer tat. Es löschte seine Tweets. Aber diesmal nicht ohne danach noch mich kostenpflichtig abzumahnen. Nun, als Piraten andere Piraten mit Piratenanwälten kostenpflichtig abzumahnen ist auch eine Spielart die man erstmal verdauen muss. Weil aber dieses neuerliche Vorgehen „Schule“ machte, brauchte ich eine Lösung, die einerseits nicht notwendig macht, dass ich persönlich nur noch vor dem Rechner hänge und andererseits automatisch solche Tweets sichert.

Quick and Dirty

Der erste Entwurf war dann auch SEHR rudimentär. Aber immerhin schon so effektiv, dass bestimmte Personengruppen mit ähnlichen Duktus nach anfänglichen Aufschrei sich beherrschten. Tatsächlich war der erste Entwurf so erfolgreich, dass ich beinahe täglich Anfragen bekam ob ich denn den einen oder anderen Tweet noch hätte. Es stellte sich heraus dass ich nicht der einzige Mensch bin, der mittels derartiger Mechanismen geschädigt werden sollte und bei denen das deutsche Abmahnverfahren missbräuchlich verwendet wird um mittels Kostendruck eine Meinungszensur herbeizuführen.

Lösung

Die einzige Lösung um all den Anfragen gerecht zu werden war eine richtige Suchmaschine und ein Crawler der ausschliesslich Daten erfasst. Die Frage eigentlich dann nur noch welche Daten erfasst werden und in welcher Dimension. Fest stand von Anfang an, dass nur solche Informationen gesichert werden, die ohnehin öffentlich publiziert wurden und ohnehin nicht mehr aus dem Netz zu tilgen sind (Streisand lässt grüßen). Direkte Nachrichten oder Protected Accounts waren also nicht betroffen und sind es auch weiterhin nicht. Das die Speicherung angeht, gelten die gleichen Vorgaben wie auch bei Maillingslistenarchiven oder Google-Ergebnissen. Die Ergebnisse sind unverfälscht, unkommentiert und werden genau so dargestellt wie sie ursprünglich publiziert wurden. Der Urheber ist ersichtlich, ein Link zum Profil des Urhebers ebenfalls und so dient die Suchmaschine mehreren sinnvollen Zwecken:

  1. Abmahnungen auf provozierte Reaktionen sind damit deutlisch erschwert.
  2. Recherchezwecken.
  3. Dokumentation von Ereignissen (Bombergate, Molligate, aBPT, …)

Ein weiterer positiver Aspekt ist wohl auch, dass Menschen jetzt ggf. bewusster via Twitter ihre Nachrichten verschicken. Manchmal holt einen halt die Realität ein und hält einem die unverrückbaren Tatsachen vor Augen: Was einmal im Netz publiziert ist, vergisst es nicht so schnell. Deshalb sollte man niemals Probleme haben zu dem stehen zu können, was man publiziert hat.

Übrigens meine Tweets sind ebenfalls in meiner Suchmaschine.

Piratenpartei

Zu guter letzt noch eine Klarstellung. Zwar steht diese auch auf https://tsearch.bundes.it/about.html aber mein DIRTY Englisch ist ggf nicht Jedermann’s Sache und so schreibe ich es gerne auch hier nochmal:
Meine Suchmaschine ist MEINE Suchmaschine. Die ist weder von der Piratenpartei betrieben, noch ist sie von der Piratenpartei finanziert noch wurde sich von der Piratenpartei in Auftrag gegeben.

Der einzige „Anteil“ der Piratenpartei an der Suchmaschine ist wenn überhaupt der, dass aufgrund der Untätigkeit der vergangenen Landes aber vorallem auch Bundesvorstände, keine andere Option mehr übrig war sich vor den Angriffen bestimmter radikaler Elemente zu schützen. Aber darüber hinaus hat die Piratenpartei N I C H T S mit dieser Suchmaschine zu tun.

Last Words

Ich werde ausschließlich solche Einträge entfernen, die klar auf Identitätsdiebstahl zurückzuführen sind. Ich habe da die selbe Sichtweise wie Twitter selbst. Wer meint betroffen zu sein, kann sich gerne an mich wenden. Ich helfe dann schnell und unbürokratisch.

Die Suchmaschine läuft solange, bis die Machenschaften bestimmter Kreise unterbunden werden und nachhaltig die Vorstände Mitgliederschutz, unsere Satzung und unsere Grundwerte wieder vorleben und durchsetzen. Denn sein wir mal ehrlich, ich kann mit den Ressourcen auch anderes anfangen. Noch braucht es die Suchmasschine. Noch.